Ist streching sinnvoll?
In keinem anderen Trainingsbereich gibt es derart gegensätzliche Meinungen wie im Bereich des Dehnens/Stretchings. Die jahrelang propagierten Wunderwirkungen des Dehnens werden wissenschaftlich stark angezweifelt. In diesem Artikel sollen die Erkenntnisse der Sportwissenschaftler zum Thema Stretching erläutert werden. Vorab muss gesagt werden, dass selbst die Experten nicht genau wissen, ob und welche Veränderungen im Muskel beim Dehnen entstehen.
Die bekanntesten Stretchingformen sind das statische Dehnen (hierbei wird zwischen aktiven und passiven statischen Dehnen unterschieden) und das dynamische Dehnen. Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand kann keine dieser Methoden als deutlich besser bezeichnet werden, weshalb hier von einer durchgängigen Empfehlung einer Dehnungsart abgesehen wird.
Beim Dehnen werden u.a. folgende Ziele verfolgt:
- Beseitigung von Muskeldysbalancen
- Abnahme der Muskelspannung
- Verbesserung der Regenerationsfähigkeit
- Linderung von Muskelkater
- Vorbeugung von Muskelverletzungen
- Verlängerung der verkürzten Muskulatur
- Verbesserung der sportlichen Leistungsfähigkeit
Bisher jedoch konnte keiner der erhofften Dehnungseffekte wissenschaftlich untermauert werden. Die Wissenschaftler schließen sich jedoch der Meinung an, dass nicht auf Muskeldehnübungen verzichtet werden sollte, wenn eine Vergrößerung des Bewegungsausmaßes und damit der Beweglichkeit das Ziel ist. Vor dem Training wird das dynamische Dehnen als besser erachtet, um die Muskulatur vorzubereiten da man feststellte, dass sich vor allem die Schnellkraftleistung nach intensivem statischen Stretchen verschlechtert. Ein sanftes statisches Dehnen ist am Ende des Workouts durchaus sinnvoll. An trainingsfreien Tagen kann etwas ausgiebiger gestretcht werden, um seine Beweglichkeit zu steigern. Ein weiterer interessanter Aspekt ist es, das Dehnen in Bodenlage zu bevorzugen, da hier nicht gegen die Schwerkraft gedehnt werden muss und sich der Muskel dadurch effektiver entspannen lässt. Der auch vorhandenen Meinung, dass Dehnen völlig überflüssig wäre, muss hier widersprochen werden, da viele Stretching-Anwender sich nach dem Dehnen deutlich besser fühlen. Selbst wenn dies nur auf einem Placeboeffekt beruhen sollte, hätte es schon seine Berechtigung, denn auch in der Medizin beruhen viele Ergebnisse ausschließlich auf dem Placeboeffekt.
Nicht immer kann man mit eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen argumentieren, manchmal ist es sinnvoller, sich auf seine eigene Körperwahrnehmung zu verlassen.
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